Haus der Stadtgeschichte (Offenbach am Main)

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Haus der Stadtgeschichte
Bernardbau1.jpg
Haus der Stadtgeschichte im Bernardbau
Logo Haus der Stadtgeschichte Offenbach am Main.jpg
Logo des Museums

Das Haus der Stadtgeschichte ist aus dem Zusammenschluss von Stadtmuseum und Stadtarchiv der Stadt Offenbach am Main hervorgegangen.[1] Es zeigt 10.000 Jahre Geschichte der Stadt Offenbach von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Das 1969 begründete Stadtmuseum hatte vor dem Zusammenschluss seinen Sitz in der Villa Jäger.

Das Ausstellungsdesign des Haus der Stadtgeschichte, entworfen von der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, ist eines der modernsten der Region. Mit einem anspruchsvollen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm hat sich das Haus als kultureller Pfeiler im östlichen Rhein-Main-Gebiet etabliert.

Der Bernardbau, in dem das Haus der Stadtgeschichte seit dem Zusammenschluss von Museum und Archiv seinen Sitz hat, ist Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenhof des Bernardbaus
Hauptartikel: Bernardbau

Das Haus der Stadtgeschichte residiert seit Januar 2004 im Bernardbau, dem 1896 fertiggestellten Gebäudekomplex der ehemaligen Tabakfabrik der Offenbacher Gebrüder Bernard,[2] das denkmalgeschützte Gebäude gilt als ein herausragendes Zeugnis historistischer Industriearchitektur innerhalb der Route der Industriekultur Rhein-Main.[3] Das Ausstellungsdesign des Museums, entworfen von der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main, ist eines der modernsten der Region, mit seinem anspruchsvollen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm hat sich das Haus als kultureller Pfeiler im östlichen Rhein-Main-Gebiet etabliert.[4]

Schausammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungsraum im Haus der Stadtgeschichte

Die Schausammlung des Museums zeigt einen Überblick über die Geschichte der Stadt mit Stationen in der Vor- und Frühgeschichte, der Entwicklung vom Dorf zur Stadt, der Zeit der Industrialisierung bis hin zur Gegenwart.[5]

Gezeigt werden die frühesten Funde auf dem Gebiet des späteren Offenbacher Territoriums, steinzeitliche Artefakte und bronze- und eisenzeitliche Funde, noch ehe die Römerzeit anbricht, zu den ältesten ausgestellten Funden zählt das Wagengrab aus Offenbach-Rumpenheim. Die Rekonstruktion zeigt die Bestattung eines frühkeltischen Fürsten auf einem vierrädrigen Zeremonialwagen.[6]

Zwei Stadtmodelle aus der Zeit um 1800 und 1850, Pläne und großflächige Stadtansichten veranschaulichen die städtebauliche Entwicklung Offenbachs; in der oberen Etage ist das d’Orvillesche Puppenhaus aus dem Jahr 1757 zu sehen, das einen großbürgerlichen Haushalt der Rokokozeit zeigt.[7]

Im 18. Jahrhundert erfolgte die Einrichtung mehrerer Fayence-Manufakturen, aus deren Produktion repräsentative Stücke ausgestellt sind, mit dem Nachbau einer historischen Stangenpresse wird die Tatsache gewürdigt, dass in Offenbach ab 1800 erstmals die Lithografie als Druckverfahren kommerziell angewandt wurde. Lokale Zeugnisse der modernen Industrieentwicklung wie Eisenkunstguss, Lederindustrie oder Tabakverarbeitung ergänzen die wirtschaftsgeschichtliche Präsentation. Multimediale Ausstellungselemente stellen stadtgeschichtlich bedeutsame Fotografien, Filme und Dokumente vor, wie beispielsweise die Privilegien der Offenbacher Hugenotten von 1705 oder die in Offenbach gedruckte Flugschrift Der Hessische Landbote von Georg Büchner aus dem Jahr 1834.

Kunst der Moderne – Grafische Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im rückwärtigen Flügel des Bernardbaus ist die Abteilung Kunst der Moderne und die Grafische Sammlung des Museums auf insgesamt 400 m² eingerichtet und umfasst neben Ausstellungsflächen auch Depot- und Werkstatträume. Hier findet sich auch das zentrale Grafikmagazin, das unter anderem Werke des Klingspor-Museums und der Internationalen Senefelderstiftung präsentiert. Die erste Ausstellung widmete sich Arbeiten aus dem Lebenswerk des Offenbacher Künstlers Erich Martin. Insgesamt 300 Werke aus dem Nachlass Martins haben als Dauerleihgabe ihren Platz im Museum gefunden.[8]

Die Gemäldegalerie zeigt in einer Auswahl aus der städtischen Kunstsammlung unter anderen Werke von Georg Oswald May, Carl Theodor Reiffenstein und Georg Wilhelm Bode.[9]

Das Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Archiv des Hauses der Stadtgeschichte pflegt den historischen Akten- und Dokumentbestand der Stadt Offenbach und hält diesen für stadt- oder familiengeschichtliche Anfragen bereit, die umfangreiche Bibliothek, die Foto- und die Zeitungssammlungen ergänzen nicht nur die Ausstellungen im Museum, sondern sind Grundlage zahlreicher wissenschaftlicher Forschungen und bilden das historische Gedächtnis der Stadt.[10]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesweit geriet das Haus der Stadtgeschichte im Sommer 2012 in die Schlagzeilen. Anlass hierfür war die außerordentliche Kündigung des Kurators des Museums durch die Stadt.[11] Interesse weckte dies, da der Kurator Marcus Frings Ehemann von Andrea Nahles ist.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2011: Flusslandschaften Photographien von Peter Menne [12]
  • Im Juni 2012 wurde in der ehemaligen Produktionshalle des Offenbacher Druckmaschinenherstellers manroland in der Christian-Pleß-Straße die Ausstellung mit dem Titel „Neue Welten“ eröffnet: Zwanzig Künstler mit mittelbarem oder unmittelbarem Bezug zur Stadt Offenbach waren eingeladen, ihre Arbeiten zu zeigen, unter anderem Tobias Rehberger, Barbara Klemm, Martin Liebscher und Sandra Mann[13]
  • 2012: Zeitspuren – BOK im Haus der Stadtgeschichte[14]
  • 2013: Friede den Hütten! Krieg den Palästen! Georg Büchners Hessischer Landbote und Offenbach im Vormärz (1815–1848)[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reinhold Gries: Neu formiertes Team will „Haus der Stadtgeschichte“ zukunftsfähig machen. In: op-online.de. 28. Dezember 2009, abgerufen am 16. Juni 2015.
  2. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Herrnstraße 59–61. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
  3. Lokaler Routenführer Nr. 13 der Route der Industriekultur Rhein-Main. In: krfrm.de. KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH, August 2006, abgerufen am 14. November 2015 (PDF; 686 kB).
  4. Museen & Sonderausstellungen 2014 in der KulturRegion FrankfurtRheinMain. In: krfrm.de. KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH, 2014, S. 60, abgerufen am 17. Juni 2015 (PDF; 5,1 MB).
  5. Haus der Stadtgeschichte Offenbach am Main. Museum. Auf: offenbach.de, abgerufen am 17. Juni 2015.
  6. Archäologische Funde in Offenbach am Main. Auf: offenbach.de, abgerufen am 17. Juni 2015.
  7. Offenbacher Puppenhaus von 1757. In: offenbach.de. 27. Februar 2006, archiviert vom Original am 14. Januar 2016, abgerufen am 11. August 2016.
  8. Reinhold Gries: Fester Platz für Kunst-Moderne. In: op-online.de. 2. April 2011, abgerufen am 16. Juni 2015.
  9. Gemäldegalerie. Auf: offenbach.de, abgerufen am 17. Juni 2015.
  10. Das Archiv – historisches Gedächtnis der Stadt. Auf: offenbach.de, abgerufen am 17. Juni 2015.
  11. Anton Jakob Weinberger: Offenbach gegen Kunstkurator Frings: „Unprofessionalität am Rand der Mutwilligkeit“. In: faz.net. 17. Oktober 2012, abgerufen am 18. Juni 2015.
  12. Fernweh nach dem Main in: Offenbach Post vom 12. Juli 2011 oder Meldung Flusslandschaften – Peter Menne in der Kunst-und-Kultur.de Museumsdatenbank, archiviert auf Webcitation.org
  13. Jörg Muthorst: Ausstellung: Neuer Anlauf für Neue Welten. In: fr-online.de. 11. November 2011, abgerufen am 17. Juni 2015.
  14. Reinhold Gries: Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte: Dialog der Zeiten. In: op-online.de. 1. Dezember 2012, abgerufen am 17. Juni 2015.
  15. Jörg Muthorst: Der Hessische Landbote: Ein Aufruf zur Revolution. In: fr-online.de. 5. Oktober 2013, abgerufen am 17. Juni 2015.

Koordinaten: 50° 6′ 30″ N, 8° 45′ 42″ O