Kardinal-Schulte-Haus

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Kardinal-Schulte-Haus − Westfassade (2012)

Das Kardinal-Schulte-Haus (Eigenbezeichnung: Kardinal Schulte Haus) ist ein Tagungszentrum des Erzbistums Köln in Bergisch Gladbach (Stadtteil Bockenberg). Das Gebäude wurde 1924 als Priesterseminar nach Plänen des Architekten Bernhard Rotterdam erbaut und ist ein eingetragenes Baudenkmal.[1] Es dient als Tagungs- und Gästehaus mit Hotelbetrieb. Die Thomas-Morus-Akademie Bensberg hat ihre Geschäftsstelle im Kardinal-Schulte-Haus und führt dort die meisten ihrer Veranstaltungen durch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzbischof Karl Joseph Schulte entschloss sich 1924 wegen der Nähe zum Hauptbahnhof und der Enge des bisherigen Bauwerks zu einem Neubau für das Priesterseminar des Erzbistums, das sich seit 1615 in der Kölner Innenstadt befand.[2] Nach einem Architektenwettbewerb 1924 entstand in den Jahren 1926 bis 1929 das Gebäude im damaligen Bensberg nach Plänen des Architekten Bernhard Rotterdam. Am 29. Juni 1926 legte Nuntius Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., den Grundstein. 1929 nahm das Priesterseminar in dem Neubau den Lehrbetrieb auf.

Nach Kriegsausbruch 1939 wurde das Gebäude Reserve-Lazarett, das Priesterseminar wurde vorübergehend in das Haus Altenberg verlegt. Nach Beschlagnahme durch die Gestapo im Jahr 1941 mussten die Seminaristen das Haus erneut verlassen. Es wurde 1944 Kriegslazarett der Wehrmacht, nach Kriegsende bis 1948 Lazarett der alliierten Streitkräfte.

Das Priesterseminar kehrte am 27. April 1948 nach Bensberg zurück. Neben dem Priesterseminar waren in dem Gebäude zunächst ein Notkrankenhaus und später ein Alten- und Pflegeheim untergebracht. 1958 wurde das Priesterseminar auf Wunsch von Josef Kardinal Frings nach Köln in den Neubau des Erzbischöflichen Hauses und der Diözesanbibliothek verlegt, der an der Stelle des von Bomben zerstörten Bischöflichen Palais errichtet wurde; Kardinal Frings wollte dieses Haus nicht allein bewohnen und hielt die Nähe der Seminaristen zum Kölner Dom und zum Erzbischof für wünschenswert.[2]

Ab 1958 wurde das Haus im einen Teil zum Sitz der Thomas-Morus-Akademie, im anderen Teil bestand das Altenheim weiter. Beide Einrichtungen waren durch einen gemeinsamen Küchen- und Hauswirtschaftsbetrieb verbunden.

Ein Brand am 21. Februar 1980 richtete erheblichen Schaden am Gebäude an; zwei Bensberger Feuerwehrmänner kamen bei den Löscharbeiten ums Leben. Die Bewohner des Altenheimes konnten unverletzt in benachbarte Heime evakuiert werden. Das Haus war zunächst unbewohnbar.

1984 entschloss sich das Erzbistum Köln, das Haus renovieren zu lassen und als Tagungszentrum zu nutzen. Es erhielt jetzt nach seinem Erbauer die Bezeichnung „Kardinal-Schulte-Haus“. Nach der Fertigstellung im Jahre 1988 wurde es während der Zeit der Renovierungsarbeiten des Collegium Albertinum in Bonn zunächst Ausweichquartier für die an der Universität Bonn studierenden Priesteramtskandidaten des Erzbistums.

Seit dem 1. Oktober 1989 wird das Haus mit einem geänderten Nutzungskonzept geführt. Das Alten- und Pflegeheim kehrte nicht in das Bauwerk zurück, und die organisatorische Einheit von Tagungsstätte und Thomas-Morus-Akademie wurde aufgegeben. Das Gebäude wurde zum „Tagungszentrum des Erzbistums Köln“, das weitgehend kirchlichen, caritativen Gruppen, Institutionen und Veranstaltern zur Verfügung steht sowie der Thomas-Morus-Akademie auf Mietbasis als Sitz und Veranstaltungsort dient.[2][3]

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude liegt auf einer Anhöhe oberhalb von Bensberg, die einen weiten Ausblick ins Rheintal und auf Köln ermöglicht. Man erreicht es über eine Auffahrt von der Overather Straße (B 55) durch einen Torbau, in dem Wohnungen untergebracht sind.

Das Haus im Skulpturenpark mit Das Projekt „Equilibro“ (Rolf Schaffer)

Das Gebäude im Atriumstil in der Architektur von Bernhard Rotterdam besteht aus einem rechteckigen Komplex, der einen großen Innenhof umfasst. Die vier Ecken sind turmartig ausgebildet und tragen jeweils eine Zwiebelhaube, den Eingangsbereich in der Mitte der Westfassade bestimmt ein breiter vorspringender Erker über einem Portikus, der von einem Dachreiter, ebenfalls mit Zwiebelhaube, gekrönt wird.

Über einem vollständigen Keller- bzw. Souterraingeschoss mit Küche und Freizeiträumen liegen im Hochparterre die großen Seminarräume, die Speisesäle, die Thomas-Morus-Kapelle sowie die Hausverwaltung und die Geschäftsstelle der Thomas-Morus-Akademie. In zwei darüber liegenden Vollgeschossen und im Dachgeschoss befinden sich weitere Seminarräume und die 163 Gäste- und Referentenzimmer, die alle mit Nasszelle ausgestattet sind.

Bei der Renovierung nach dem Brand in den 1980er-Jahren blieben die Fassaden vollständig erhalten. Die Innenräume wurden teilweise neu geschnitten und erhielten eine zeitgemäße Infrastruktur, die auch einen Hotelbetrieb ermöglicht.

Da die bisherige große Hauskapelle in eine Aula umgewandelt wurde, baute das Erzbistum 1987 in den Innenhof eine neue achteckige Kapelle, die der Ordensfrau Edith Stein geweiht wurde. Architekten waren Hans Peter Greyer und Manfred König, der Künstler Paul Nagel schuf die Innengestaltung. Der Innenraum ohne Nischen und Säulen wird bestimmt von einem großen hängenden Rundleuchter. Materialauswahl und Bildprogramm von Decke, Wänden und Fenstern thematisieren Leben, Martyrium und Heilserwartung der im KZ Auschwitz-Birkenau ermordeten Kirchenpatronin Edith Stein.[2]

Die Gänge im Erdgeschoss des Tagungshauses sind regelmäßig Ausstellungsort für Kunstwerke im Rahmen der Reihe Kunstbegegnung der Thomas-Morus-Akademie.[4]

Das Haus wird als Nichtraucherhaus geführt. Auf der Terrasse vor dem Gebäude steht den Gästen ein Biergarten mit Aussicht über die Kölner Bucht zur Verfügung.

Skulpturenpark Bensberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände entstand seit 1994 ein Skulpturenpark, in dem bis jetzt fünf Skulpturen aufgestellt sind. Das Projekt wird von der Thomas-Morus-Akademie, der Künstler-Union im Erzbistum Köln und dem Erzbistum Köln getragen und will in der Synthese von Tagungsraum und Landschaft die spirituelle Dimension von Kunst erlebbar machen. Die Skulpturen sind:

  1. Rolf Schaffer: Ohne Titel
  2. Dorissa Lem: Ohne Titel
  3. Günther Oellers: Der Zweiflammenstein
  4. Rolf Schaffer: Das Projekt „Equilibro“
  5. Heinz Georg Neussl: Das Kreuz.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liste der Baudenkmäler in Bergisch Gladbach Nr. 71.
  2. a b c d Homepage Priesterseminar Köln abgerufen am 20. Dezember 2014
  3. TMA Bensberg, Geschichte & Entwicklung abgerufen am 18. März 2013
  4. Thomas-Morus-Akademie Bensberg, Stammplatz für „das Schöne“ abgerufen am 18. März 2013
  5. Thomas-Morus-Akademie Bensberg, Skulpturenpark Bensberg abgerufen am 18. März 2013

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Stahl: Nur 30 Jahre: Priesterseminar Bensberg. Ein stolzer Bau als „Balkon über der Rheinebene“ und seine Bewohner. In: Rheinisch Bergischer Kalender 2015, Heider, Bergisch Gladbach 2014, S. 78–84, ISBN 978-3-87314-486-6.

Koordinaten: 50° 57′ 39″ N, 7° 10′ 12″ O