Kunsthalle Osnabrück

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Kunsthalle Dominikanerkirche
Ehemaliges Kloster
Die barocke Kanzel wurde in der Alten St.-Alexander-Kirche in Wallenhorst untergebracht

Die Kunsthalle Osnabrück ist ein Ausstellungsgebäude in Osnabrück (Niedersachsen). Die Kunsthalle befindet sich in der früheren Klosterkirche des ehemaligen Klosters zum heiligen Kreuz des Dominikanerordens.

Die Kunsthalle untersteht dem Fachbereich Kultur der Stadt; in dem gotischen Kirchengebäude werden auf 665 Quadratmeter Fläche des Kirchenschiffs und 375 Quadratmeter der Vorhalle und des Kreuzganges wechselnde regionale und überregionale Ausstellungen Bildender Kunst der Gegenwart gezeigt.

Vom im 13. Jahrhundert gegründeten Dominikanerkloster ist neben der Kirche das vierflügelige Klostergebäude aus der Barockzeit erhalten, das von Behörden der Stadt genutzt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kloster wurde auf Betreiben des Osnabrücker Bischofs Konrad von Rietberg (1270–1297) in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet, er holte die Dominikaner in die Stadt, um die Stellung der Kirche gegenüber dem Rat zu festigen. Auf den Resten eines älteren Gebäudes wurde um 1283 (?) mit dem Bau begonnen. Als Stifter gilt Rembertus Düvelius, Herr zur (damaligen) Düvelsburg bei Osnabrück (* um 1275, † nach 1328, urk. 1295–1398, Stiftung 1295 zusammen mit seinem Bruder Albertus). Um 1295 konnten Teile des Klosters, das den Namen Kloster zum heiligen Kreuz erhielt, bezogen werden, die Bevölkerung der Stadt bezeichnete es auch als Natruper Kloster oder Nottruper Kloster. Wahrscheinlich im Jahr 1297 wurde der Klosterchor geweiht, von Papst Bonifatius VIII. erhielten die Mönche aus diesem Anlass einen Ablass. In den ersten Jahren des 14. Jahrhunderts vergrößerte sich der Besitz des Klosters durch Schenkungen von Grund; das Kloster erhielt zudem einen Friedhof.

In Auseinandersetzungen zwischen der Leitung des Bistums und den Dominikanern untersagte das Domkapitel des Doms St. Peter den Osnabrücker Bürgern, die Ordensleute mit Lebensmitteln zu versorgen sowie an deren Gottesdiensten teilzunehmen. Der Konflikt wurde erst 1319 beigelegt.

Die weitere Bautätigkeit kam um 1348 durch Pestepidemien sowie durch die allgemeine Notlage in der Stadt, ausgelöst durch Dürre und Überschwemmungen der Hase, zum Erliegen. 1372 wurde das Kloster durch Feuer beschädigt. Abgeschlossen wurden die Bauten erst im 15. Jahrhundert, nachdem dem Kloster 1493 ein Steinbruch am Westerberg in Osnabrück für die Bauarbeiten gestiftet worden war.

In der Zeit der Reformation kam es 1521 erneut zu Konflikten zwischen den Ordensangehörigen und dem Rat der Stadt, der sich Martin Luthers Lehren angeschlossen hatte, der reformatorisch gesinnte Bischof Franz von Waldeck wies den Prior an, das Kloster der Bevölkerung zur Nutzung als Hospital und Wohnstätte Bedürftiger zu überlassen. Zudem untersagte er den Mönchen, die Kirchenglocken zu läuten und Gottesdienste abzuhalten, sie wehrten sich, räumten nicht das Feld und ließen den Volkszorn über sich ergehen. 1543 wurde das Kloster geplündert. Das Klosterarchiv ging zum Teil dauerhaft verloren; der Stadtrat ließ Wertgegenstände wie liturgisches Gerät aus Silber beschlagnahmen. Die Mönche wurden im Kloster eingesperrt, sie überstanden die Blockade, die fünf Jahre gedauert haben sollen, weil sie heimlich von den Benediktinerinnen des Klosters Gertrudenberg aus Osnabrück und den Zisterzienserinnen des knapp zehn Kilometer nordöstlich gelegenen Klosters Rulle versorgt wurden.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts während des Dreißigjährigen Kriegs erhielt das Kloster unter Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg, der die Gegenreformation betrieb, die frühere Rechtsstellung zurück. So durften die Osnabrücker Dominikaner 1628 eine Prozession in der Stadt veranstalten. Materielle Unterstützung erhielten die Mönche 1644 während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden von den katholischen Gesandten, darunter Reichsgraf Maximilian von und zu Trauttmansdorff und der französischen Herzog von Longueville.

Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Kloster 1795 unter dem letzten Osnabrücker Fürstbischof, dem britischen Prinzen Friedrich August, Herzog von York und Albany als Unterkunft für britische Soldaten genutzt. Im folgenden Jahr wurde es zum Hospital ausgebaut. 1803 wurde das Kloster im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses aufgehoben. Die Ausstattung wurde entfernt und teilweise in andere Kirchen gebracht, so befindet sich die barocke Kanzel in der Alten St.-Alexander-Kirche in Wallenhorst und die wertvolle Klausing-Orgel von 1713 in der Meller St.-Matthäus-Kirche.

In der Zeit der französischen Besetzung 1803 bis 1805 diente das Kloster den französischen Truppen als Magazin, zu Beginn des 20. Jahrhunderts sollte das leerstehende Kloster abgebrochen werden. Dazu kam es jedoch nicht.

Um 1910 wurde es während des deutschen Kaiserreichs als Kaserne der Infanterie genutzt; dafür wurden in die Klosterkirche Zwischendecken eingezogen. 1913 wurde die Kirche saniert. Eine weitere gründliche Sanierung erfolgte in den 1960er Jahren, sie war 1966 abgeschlossen. Die Stadt Osnabrück benutzte die Kirche als Raum für Veranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen. 1991 wurde die Kirche in Kunsthalle Dominikanerkirche umbenannt und im folgenden Jahr zur Kunsthalle umgebaut.

1993 wurde die Kirche als Kunsthalle mit einer Retrospektive des Werks Arnulf Rainers wiedereröffnet. Seit November 2013 agiert Julia Draganovic als Direktorin der Kunsthalle Osnabrück,[1] sie übernahm das Amt von André Lindhorst, der die Leitung 22 Jahre innehatte. Die erste von Draganovic kuratierte Ausstellung in der Kunsthalle, "Michael Beutler, Architekt – Etienne Descloux, Künstler", war vom 12. September 2014 bis 11. Januar 2015 zu sehen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Beckschäfer: Geschichte des Dominikanerklosters zum heiligen Kreuz in Osnabrück, Osnabrück 1913, Faks. Nachdruck Schöningh, Paderborn 1978, ISBN 3-506-70620-9
  • Hans-Gerd Rabe: Osnabrücker Kunst und Künstler 1900–1970 in: Osnabrücker Mitteilungen, Band 81, Meinders und Elstermann, Osnabrück 1974, ISSN 0474-8158

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Julia Draganovic neue Leiterin der Kunsthalle, Neue Osnabrücker Zeitung, Artikel vom 20. Dezember 2013. Abgerufen am 6. September 2014.
  2. Website der Kunsthalle Osnabrück. Abgerufen am 6. September 2014.

Koordinaten: 52° 16′ 44″ N, 8° 2′ 22″ O