Sammlung Deutsche Bank

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Die Sammlung Deutsche Bank ist eine private Kunstsammlung und wurde 1979 gegründet. Heute ist sie eine der bedeutendsten Sammlungen internationaler Zeichnungen und Fotografien nach 1945. Die unter dem Motto „Art works“ stehende Unternehmenssammlung ist Bestandteil des gesellschaftlichen Engagements der Deutschen Bank, das sich als Beitrag zur Förderung von Kreativität und der kulturellen Entwicklung einer globalen Gesellschaft versteht.

Schwerpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwerpunkt der Sammlung Deutsche Bank liegt auf internationaler zeitgenössischer Kunst auf Papier, v.a. Zeichnungen und Fotografien, die nach 1945 entstanden sind. Die Sammlung umfasst aber auch vereinzelte Gemälde und Skulpturen sowie Werke der Klassischen Moderne. Das Konvolut an Gegenwartskunst unterscheidet sich konzeptionell deutlich von dem Bestand an Werken aus der Klassischen Moderne (ab ca. 1900). Letzterer basiert auf einer Gruppe bereits vor Sammlungsbeginn vorhandener Werke und konzentriert sich auf einzelne, beispielhafte Werke. Die Schwerpunkte in diesem Bereich bilden der deutsche Expressionismus, die Künstlervereinigungen Brücke und Blauer Reiter, das Bauhaus sowie die Neue Sachlichkeit.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der 1970er Jahre traf der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank Friedrich Wilhelm Christians in Moskau auf den griechisch-sowjetischen Kunstsammler George Costakis der ihn auf die Bedeutung der Kunst aufmerksam machte. Die Deutsche Bank zeigte 1977 die Ausstellung "Costakis-Sammlung russischer Avantgarde" und brachte diese Kunst in den Blickpunkt der breiten Öffentlichkeit.[1] Noch im selben Jahr traf das Vorstandsmitglied Herbert Zapp (1977 bis 1994 im Vorstand) gemeinsam mit Hermann Josef Abs (1957 bis 1967 Vorstandssprecher) die Entscheidung eine eigene Sammlung anzulegen. Zapp kaufte 1979 eine umfangreiche Serie von Zeichnungen von Joseph Beuys für die Bank an. Von Zapp stammte auch das Konzept der Kunst am Arbeitsplatz, das bis heute besteht und aktuell unter dem Titel „Art works“ geführt wird. Die angekauften Kunstwerke wurden von Anfang an in den Filialen der Deutschen Bank gezeigt und als „kulturelles Kapital“ nicht nur den Mitarbeitern der Bank, sondern auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die erste Niederlassung, die eine Kunstausstattung erhielt, war die Repräsentanz in New York in der West 57th Street, die am 30. April 1979 eingeweiht wurde. Für die Präsentation in den Geschäftsräumen wurden Werke der amerikanischen Gegenwartskunst, wie dem Abstrakten Expressionismus, der Pop Art, Konzeptkunst oder der Pattern & Decoration-Bewegung, neu erworben und zeitgenössischer Kunst aus Deutschland gegenübergestellt. Das hier erstmals umgesetzte Konzept der Präsentation deutscher Gegenwartskunst im Dialog mit zeitgenössischen Positionen aus dem jeweiligen Land ist wesentliches Merkmal des Kunstkonzeptes der Sammlung, das in den weltweiten Niederlassungen der Deutschen Bank umgesetzt wird.[2]

1984 eröffnete die Bank ihren Hauptgeschäftssitz in den Zwillingstürmen in Frankfurt am Main. Bei der dortigen Ausstattung mit deutscher Kunst der 1960er und 1970er Jahre wurde jedem Künstler eine der jeweils vierzig Etagen gewidmet. In den Turmspitzen waren mit Papierarbeiten von Horst Antes (Turm A) und von Joseph Beuys (Turm B) die je ältesten der hier vertretenen Künstler zu sehen. Von oben nach unten staffelten sich die hier gezeigten Werke nach den Geburtsjahrgängen der Künstler in historischer Abfolge. 1986 wurde Max Bills 4,50 Meter hohe Granitskulptur Kontinuität vor den Zwillingstürmen aufgestellt. Von 2007 bis 2010 wurden die Türme umfassend modernisiert. Bis zum Abschluss der Modernisierung 2010 hatte die Bank ihren temporären Hauptsitz im IBC-C-Gebäude, das auch einen Teil der Kunstwerke aus den Türmen an der Taunusanlage beherbergt. Auch nach Wiedereröffnung der Türme werden wieder Werke eines ausgewählten Künstlers auf einer Etage gezeigt. Gegliedert ist die Kunstausstattung nach Regionen – Turm A ist aktuellen Positionen aus Deutschland und Europa gewidmet, Turm B Künstlern aus Afrika, Amerika und Asien. Insgesamt sind rund 100 Künstler aus mehr als 40 Ländern vertreten. Bei den rund 1.500 ausgestellten Werken handelt es sich überwiegend um Arbeiten auf Papier und Fotografien.[3]

Zu den weiteren wichtigen internationalen Hauptniederlassungen zählen die Deutsche Bank in London, Tokio, Mailand, Sydney und Luxemburg. Hier sind jeweils Arbeiten heimischer Künstler im Dialog mit internationalen Werken zu sehen. Neben dieser Ausstattung mit zeitgenössischer Kunst auf Papier, wurden an den unterschiedlichen Lokationen zum Teil von Künstlern exklusive, ortsspezifische Auftragsarbeiten installiert. Im Jahr 2008 waren rund 90 Prozent aller Exponate der Sammlung Deutsche Bank in insgesamt 911 Gebäuden der Bank, in Ausstellungen oder als Leihgaben in 28 Museen, Galerien oder Kulturinstitutionen weltweit öffentlich zu sehen.

Deutsche Guggenheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 1997 eröffnete die Deutsche Bank in Zusammenarbeit mit der New Yorker Solomon R. Guggenheim Foundation die 510 Quadratmeter große Ausstellungshalle Deutsche Guggenheim, die seit 2013 als Deutsche Bank KunstHalle weitergeführt wird. Sie befindet sich im Erdgeschoss des Berliner Hauptgebäudes der Bank und ist nach Entwürfen des amerikanischen Architekten Richard Gluckman realisiert worden. Ziel des Deutsche Guggenheim, einem einmaligen Joint Venture zwischen einer Bank und einem Museum, war die Präsentation von Ausstellungen und auf den Raum bezogenen Auftragswerken. Das Ausstellungsprogramm sowie der tägliche Betrieb wurden in gemeinschaftlicher Verantwortung von beiden Institutionen organisiert. Pro Jahr wurden vier bis fünf Ausstellungen gezeigt, eine davon jeweils aus der Sammlung Deutsche Bank. Mit dem Deutsche Guggenheim erweiterte die Deutsche Bank ihr Kunstkonzept und ermöglichte, ihre Sammlung auch außerhalb des Arbeitsumfeldes an einem festen Ausstellungsort zu zeigen. Nach 15 Jahren und insgesamt 61 Ausstellungen wurde das Joint Venture zwischen Deutscher Bank und der Solomon R. Guggenheim Foundation Ende 2012 beendet.[4] Seit 2013 wird der Galerieraum vom Unternehmen in alleiniger Verantwortung als Deutsche Bank KunstHalle weitergeführt.[5]

Deutsche Bank KunstHalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsche Bank KunstHalle versteht sich als Plattform für internationale Gegenwartskunst. Einen Schwerpunkt des Programms bilden Ausstellungen aus der Sammlung Deutsche Bank, die von Künstlern und Gastkuratoren konzipiert werden. In der KunstHalle wird auch der „Künstler des Jahres“ der Deutschen Bank in einer Einzelausstellung vorgestellt. Außerdem präsentiert das Haus seit April 2013 Ausstellungen, die in Kooperation mit Berliner und internationalen Kunstinstitution konzipiert werden.[6]

Künstler des Jahres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2010 zeichnet die Deutsche Bank den „Künstler des Jahres“ aus. Das Unternehmen ehrt internationale Künstler, die gesellschaftliche Themen auf individuelle Weise ansprechen und bereits ein substanzielles Werk geschaffen haben, das sich auf die beiden Schwerpunkte der Sammlung Deutsche Bank konzentriert: Arbeiten auf Papier oder Fotografie. Die Auszeichnung erfolgt auf Empfehlung des Deutsche Bank Global Art Advisory Council, dem die renommierten Kuratoren Okwui Enwezor, Hou Hanru, Udo Kittelmann und Victoria Noorthoorn angehören. Die Auszeichnung ist nicht mit einem Geldpreis dotiert. Ziel der Initiative ist es vielmehr, den „Künstler des Jahres“ einem möglichst breiten Publikum vorzustellen. So widmet ihm die Deutsche Bank KunstHalle eine Einzelausstellung, die anschließend an weiteren internationalen Standorten zu sehen ist. Zur Ausstellung wird ein Katalog publiziert. Zudem wird eine Auswahl von Arbeiten des „Künstlers des Jahres“ für die Sammlung Deutsche Bank erworben.[7]

Ausgezeichnet wurden

  • 2014 Victor Man (Rumänien)
  • 2015 Koki Tanaka (Japan)
  • 2016 Basim Magdy (Ägypten)

Kooperation mit dem Städel Museum Frankfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 übergab die Deutsche Bank dem Frankfurter Städel für die Ausstattung seines Anfang 2012 eröffneten Erweiterungsbaus 600 Werke aus ihrer Sammlung als Dauerleihgabe, bestehend aus insgesamt 60 Gemälden und Skulpturen, 161 Originalen auf Papier und 379 Druckgraphiken von 45 Künstlerinnen und Künstlern, u.a. Hans Arp, Georg Baselitz, Joseph Beuys, Günther Förg, Anselm Kiefer, Konrad Klapheck, Martin Kippenberger, Markus Lüpertz, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Dieter Roth und Günther Uecker. Die Zusammenarbeit zwischen Deutscher Bank und dem Städel in Frankfurt besteht bereits seit den späten 1970er Jahren. Der zwischen 1974 und 1994 amtierende Städel-Direktor Klaus Gallwitz war als Kunstberater Herbert Zapps tätig und von 1981 bis 1999 Mitglied der Ankaufskommission der Deutschen Bank. Hermann Josef Abs war von 1966 bis zu seinem Tod 1994 Mitglied der Administration des Städel, davon 24 Jahre als deren Vorsitzender. An seine Stelle trat als Mitglied der Städel-Administration der damalige Sprecher des Vorstands der Deutschen Bank Hilmar Kopper. Bis heute hat die Deutsche Bank zahlreiche Projekte und Ausstellungen des Städel unterstützt.[8][9]

ArtMag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ArtMag ist das Kunstmagazin der Deutschen Bank und berichtet über die globalen Kunstaktivitäten des Unternehmens. Das Magazin erscheint seit 2002 in regelmäßigem Turnus online und seit April 2013 drei- bis viermal jährlich auch als Printausgabe. Auf Deutsch und Englisch stellt ArtMag in oftmals exklusiven Artikeln, Interviews und Essays die internationale Kunstszene vor. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Künstlern, die in der Sammlung Deutsche Bank vertreten sind. Zudem werden Ausstellungen aus der Unternehmenssammlung oder von der Deutschen Bank geförderte Präsentationen besprochen. Ein weiterer Themenschwerpunkt liegt auf dem Programm der Deutsche Bank KunstHalle in Berlin.

Apps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Apps vermitteln eine Übersicht der Sammlung Deutsche Bank und der einzelnen Standorte: Das sind zunächst am Hauptsitz Frankfurt zirka 1.000 Kunstwerke von 60 Künstlern.[10] Weitere Editionen zeigen die Dauerleihgaben an das Städel Museum Frankfurt mit 60 Kunstwerken[11] und die Londoner Sammlung mit Werken von Keith Tyson, Damien Hirst, Tony Cragg, Anish Kapoor, Julie Umerle und Tracey Emin.[12] Arbeiten von Künstlern aus China, Taiwan, Korea, Singapur und Hongkong sind über eine weitere App zugänglich. Diese konzentriert sich auf Werke, die im ICC Gebäude hängen, dem Standort der Deutschen Bank in Hongkong. [13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]
  2. New York Foundation for the Arts (NYFA)
  3. Die Kunst in den Türmen . Website Deutsche Bank Kunst. Abgerufen am 19. November 2013.
  4. Guggenheims Abschied von Berlin . Website Der Spiegel:. Abgerufen am 20. November 2013.
  5. Deutsche Bank eröffnet neue KunstHalle in Berlin. Presseinformation Deutsche Bank. Abgerufen am 20. November 2013.
  6. Selbstdarstellung Deutsche Bank KunstHalle. Abgerufen am 20. November 2013.
  7. Künstler des Jahres. Website Deutsche Bank Kunst Deutsche Bank. Abgerufen am 20. November 2013.
  8. http://www.deutsche-bank.de/staedel
  9. Pressetext Städel Museum vom 1. Oktober 2008, download unter http://www.staedelmuseum.de/sm/index.php?StoryID=288
  10. App für iPhone http://itunes.apple.com/de/app/deutsche-bank-art-works-frankfurt/id471870690?mt=8 iPad http://itunes.apple.com/de/app/deutsche-bank-art-works-frankfurt/id486345053?mt=8 und Android https://market.android.com/details?id=com.nidag.artworks&feature=search_result#?t=W251bGwsMSwxLDEsImNvbS5uaWRhZy5hcnR3b3JrcyJd
  11. App für iPhone http://itunes.apple.com/de/app/deutsche-bank-art-works-stadel/id501679437?mt=8
  12. App für iPhone http://itunes.apple.com/de/app/deutsche-bank-art-works-london/id530517054?mt=8 und iPad http://itunes.apple.com/de/app/deutsche-bank-art-works-london/id527575155?mt=8
  13. App für iPhone http://itunes.apple.com/de/app/deutsche-bank-art-works-hong/id523620306?mt=8