Sprudelhof

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Sprudelhof
Flügel des Sprudelhofs
Brunnen im Sprudelhof
Sprudelhof mit Blick auf Bahnhof, im Hintergrund der Kamin des Kraftwerks
Schuldverschreibung über 2000 Mark der Stadt Bad Nauheim vom 10. Mai 1923 mit Abbildung vom Sprudelhof

Der Sprudelhof ist eine Kuranlage in Bad Nauheim, welche zwischen 1905 und 1911 im Jugendstil entstand. Er gilt zusammen mit der Trinkkuranlage und den zugehörigen technischen Gebäuden als ein hervorragendes Beispiel dieses Stils und ist zugleich eines der gelungensten und geschlossensten Bauwerke dieser Epoche.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sprudelhof liegt am Rande des von Heinrich Siesmayer angelegten Kurparkes und bildet den architektonischen Mittelpunkt einer Achse mit dem Bahnhof Bad Nauheim und dem Johannisberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Regierung des kunstsinnigen Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein wurden die Bade-, Kur- und Wirtschaftsanlagen des staatlichen Kurbads unter der Leitung des Architekten und großherzoglichen Baubeamten Wilhelm Jost zwischen 1901/1902 und 1912 einheitlich neu gestaltet. Zentrales Element dieser neuen Anlagen ist der Sprudelhof. Bei der künstlerischen Ausgestaltung der Nauheimer Bade- und Kuranlagen wirkten mehrere Künstler der Darmstädter Künstlerkolonie mit, unter anderem Albin Müller, Friedrich Wilhelm Kleukens, Heinrich Jobst und Ernst Riegel. Als Vorstand der Großherzoglichen Bade- und Kurverwaltung in Bad Nauheim war bis zu seinem Tod 1915 Karl Eser,[1] danach bis 1931 (schließlich als Bade- und Kurdirektor sowie Leiter des Tiefbauamts) Bruno von Boehmer für den Betrieb der Anlage zuständig. Nachdem 2005 die für den Sprudelhof bisher zuständigen Staatlichen Kurbetriebe aufgelöst worden waren, ging die Verwaltung der Liegenschaft an das Hessische Immobilienmanagement über. 2009 wurde das Eigentum an die „Stiftung Sprudelhof“ übergeben, die zu je einem Drittel von Land Hessen, dem Landkreis Wetterau und der Stadt Bad Nauheim getragen wird.[2]

Heute werden nur noch wenige Badezellen für ihren ursprünglichen Zweck genutzt, eines der früheren Badehäuser wird durch das Theater Alte Feuerwache als Kleinkunstbühne betrieben.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der große Gebäudekomplex ist um den sogenannten Schmuckgarten mit den zwei als Sprudel aus der Erde tretenden, von Jost neu gefassten heißen Heilquellen gruppiert. Gefasst sind die Quellen in einem Brunnen, den der Bildhauer Johann Josef Belz geschaffen hat.[3] Die Skulpturen am Großen Sprudelbecken wurden 1978 erneuert. Der Sprudelhof beherbergt insgesamt 264 Badezimmer, darunter luxuriös ausgestattete „Fürstenbäder“. Mit seinen reich verzierten Badehäusern, den üppig ornamentierten Wartesälen und Schmuckhöfen zählt er zu den eindrucksvollsten Zeugnissen des deutschen Jugendstils. Schmuckhöfe und Warteräume der sechs Badehäuser wurden individuell mit zahlreichen künstlerischen Details gestaltet. Die Ornamentik der Brunnen, die Figuren und Dekore beziehen sich auf das Wasser als gesundheitsspendende Kraft. Besonders eindrucksvoll sind die Glasmalereien der vielen hundert Buntglasfenster. Im Badehaus 3 befinden sich im runden Wartesaal Mosaiken der Königlichen Bayerischen Hofmosaik- und Kunstanstalt.

Um einen möglichst effizienten Ablauf des Kurbetriebs zu gewährleisten und das Publikum nicht durch Reinigungs- und Transportarbeiten in seiner Erholung zu stören, wurde der Sprudelhof mit komplexen unterirdischen Anlagen versehen. Sämtliche Badewannen konnten, für die Kurgäste unsichtbar, nach Gebrauch mechanisch in den Böden der Badehäuser versenkt werden, um in den Versorgungsgängen gereinigt zu werden. Über lange Verbindungsstollen wurden die notwendigen Versorgungsgüter unterirdisch in den Sprudelhof gebracht und die beim Badebetrieb anfallende Wäsche zu einer jenseits des Bahnhofs gelegenen Großwäscherei transportiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Britta Spranger: Jugendstil in Bad Nauheim. Die Neubauten der Bade- und Kuranlagen und ihr Architekt Wilhelm Jost. (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte, Band 48.) Darmstadt / Marburg 1983, ISBN 3-88443-136-6. / als Neuauflage: Darmstadt 2011, ISBN 978-3-88443-410-9.
  • Hiltrud A. M. Hölzinger, Christina Uslular-Thiele: Jugendstil in Bad Nauheim. Königstein im Taunus 2005, ISBN 3-7845-7100-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Preußisches Ministerium der Öffentlichen Arbeiten (Hg): „Zentralblatt der Bauverwaltung“, Band 35, Ernst and Korn, 1915, Seite 74
  2. Sprudelhof seit 2009 Eigentum der gleichnamigen Stiftung
  3. moving moments: Foto vom Badehaus 3 des Sprudelhofs, Fotocommunity

Koordinaten: 50° 22′ 2″ N, 8° 44′ 37″ O