Directors Lounge

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Logo der Directors Lounge

Die Directors Lounge (Abkürzung: „DL“) ist eine laufende Berliner Film- und Medienkunst-Plattform mit ganzjährigen Vorführungen und Ausstellungen in Berlin und verschiedenen anderen Städten. Jährlich parallel zu den Internationalen Filmfestspielen Berlin (Februar), findet die zentrale Veranstaltung der Directors Lounge, die intensivierte Präsentation „The Berlin International Directors Lounge“ statt. Directors Lounge wurde von dem Filmemacher André Werner, dem Künstler Joachim Seinfeld und dem Galeristen/Kurator Longest F. Stein in Verbindung mit der A&O-gallery und anderen Künstlern aus der Berliner Medienkunstszene ins Leben gerufen.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Directors Lounge wurde 2005 informell gegründet, um Filmemacher und Videokünstler ein ungezwungenes Umfeld als Treffpunkt während der Berlinale anzubieten, sowie auch als Möglichkeit, Filme zu zeigen, die hinsichtlich ihrer Länge, Methode oder Thematik keine genormte Kategorisierung entsprachen, ob von bekannten oder obskuren Künstlern, im Gegensatz zu den meisten solchen Filmfesten, sollte die Umgebung frei von der „Black-Box-Atmosphäre“ der gewöhnlichen Kinos und Vorführäume sein, sondern eher Interaktion und Gespräch fördern. Als solches war ihr Ziel auch als eine Startrampe für Kooperationen zu dienen. Aufgrund der positiven Resonanz wurde das Event über das jährliche Festival hinaus erweitert, und es entwickelte sich zur ständigen Plattform für Film und Medienkunst fort, wobei die Berlin International Directors Lounge (d. h. die jährliche Veranstaltung im Februar, siehe Abschnitt unten) als Zentralveranstaltung blieb.[1] Das Festival fand bisher an verschiedenen Orten statt, mit besonderer Aufmerksamkeit, dass es ein nicht standardisiertes Multimedia-Erlebnis bleibt.

Berlin International Directors Lounge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die öffentlich besuchte jährliche Veranstaltung, die im Februar, parallel zu den Berliner Filmfestspielen stattfindet ist in erster Linie ein Filmforum mit Kurzfilmen als Schwerpunkt, das aber auch Installationen und Live-Musikacts und Aktionskunst veranstaltet. Viele Filme werden als Uraufführungen gezeigt, die künstlerische Leitung der letzten Veranstaltung (als „[DLX]“ stilisiert, 6.–16. Februar, 2014)[2] war Julia Murakami, André Werner, Klaus W. Eisenlohr und Kenton Turk gutgeschrieben, unter den häufigen Kurator-Mitwirkendern sind die Filmemacher Alexei Dmitriev (Russland) und Shaun Wilson (Australien) sowie der 2012 verstorbene Heiko Daxl (Deutschland) zusammen mit Ingeborg Fülepp (Kroatien), beide Medienkünstler.

Das erste Festival (2005) fand im Club el Cultrún in Berlin-Friedrichshain statt. 2006 und 2007 dienten umgestaltene Räumlichkeiten in der Karl-Marx-Allee (137 bzw. 133) als Veranstaltungsort.[3] 2008 und 2009 zog Directors Lounge nach Mitte in das inzwischen aufgelöste Scala (1908 als Überbrettl eröffnet, später Aladin, noch später Camera, „das einzige Programmkino in der DDR“ genannt),[3] und 2010 und 2011 diente das Kunst- und Atelierhaus Meinblau auf dem Pfefferberg in Prenzlauer Berg als Veranstaltungsort. Mit dem achten Festival zog sie zurück nach Mitte, in die Naherholung Sternchen, hinter dem ehemaligen DDR-Premierenkino Kino International nahe Alexanderplatz.[4]

Wie der Name andeutet, konzentriert sich das Filmfestival darauf, eine informelle und ambiente Atmosphäre herzustellen, bei der Filmemacher und Cineasten die Gelegenheit haben, leicht in Kontakt zueinander zu kommen, im Gegensatz zu vielen ähnlichen Unternehmen, es ist offen für alle Einsendungen, unabhängig von Länge. Neben ausgewählter Filme aus dieser öffentlichen Ausschreibung (Open Call) besteht es aus einer Reihe speziell kuratierter Programme.

Das Festival verleiht keine Auszeichnungen an teilnehmende Filme, was es weiter von ähnlichen Ausstellungen abhebt, es ist eine Non-Profit-Veranstaltung, die weitgehend von freiwilligen Leistungen und etwas Sponsoring unterstützt wird. Darsteller und Gastredner werden nicht für ihre Teilnahme bezahlt.

Zu den bemerkenswerten jüngsten Teilnehmern dieses Festivals gehören der Golden Globe- und BAFTA-Preisträger Michael Nyman, der bei der ersten öffentlichen Vorführung in Deutschland seines Spielfilms NYman With A Movie Camera anwesend war (2011); der kanadische Filmemacher Guy Maddin, der im selben Jahr, in dem er als Berlinale-Jury-Mitglied diente eine Auswahl seiner Kurzfilme lieferte (2011); der dreifache Cannes-Filmfestival-Preisträger Fotograf/Filmemacher Anton Corbijn (2012); Gewinner des Sundance-Preises der Internationalen Jury für Kurzfilme Simon Ellis, der bei einer selbstkuratierten Retrospektive seiner Filme anwesend war (2012) und der Filmemacher und Präger des Begriffs „Cinema of TransgressionNick Zedd, der ebenfalls bei einer Retrospektive seiner Kurzfilme anwesend war (2012).[5] Zu den bemerkenswerten jüngsten Premieren gehört die erste öffentliche Vorführung von Werken des türkischen Digital-Medienkünstlers Erdal Inci in Deutschland (2014).[6]

Unter den Künstlern waren der tschechische Komponist der Avantgarde-Musik Vladimír Hirsch (der seine „Underlying Scapes“ aufführte) und Birol Ünel, Gewinner des Deutschen Filmpreises als Bester Hauptdarsteller (der Gedichte vom NO!art-Anti-Kunst-Bewegung-Mitglied Miron Zownir vorlas).[7][8] Steve Morell, Gründer des Plattenlabels Pale Music International, ist mehreremals als DJ aufgetreten. [9][10][11]

Ganzjährige Medienkunstplattform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bald wuchs das im Februar stattfindende Festival zu einem Unternehmen heran, das das ganze Jahr über Präsentationen umfasste, es hat eine Reihe von Directors-Lounge-Veranstaltungen und Kooperationen außerhalb Deutschlands gegeben, unter anderem in London (Cog Collective, 2006),[12] Posen (IF Museum, 2006),[13] Denver (TIE [The International Experimental Cinema Exhibition], 2006), [14] St. Petersburg (in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, 2008),[15] Paris (Nuit Blanche, 2011), [16] Los Angeles (mit der Los Angeles Art Association, 2011),[17] Timișoara (Timishort Film Festival, 2011),[18] Miami (Art Basel Miami Beach, 2011),[19] Albuquerque (Experiments in Cinema, 2012),[20] Rom (L’Isola del Cinema, Cinelab Groupama, 2012),[21][22] Seoul (Zaha Museum, 2012; Gallery On, 2014)[23] [24] Wien (MuseumsQuartier, 2014).[25] Porto Alegre (Usina do Gasômetro, in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, 2015)[26] und Salvador (in Zusammenarbeit mit Ocupação Coaty, 2016).[27] Ähnliche inländische Veranstaltungen außerhalb Berlins fanden in München (Erinnerung in Bewegung, 2007),[28] Köln (Tease Art Fair, 2009),[29] Essen (C.A.R., 2011),[30] Düsseldorf (Japan-Tag, Blackbox-Kino im Filmmuseum, 2011, 2012, 2013 und 2014)[31][32][33][34] und Dresden (Motorenhalle, 2015)[35] statt. Die Präsentationen spiegeln oft den Multimedia-Blickwinkel der Februar-Veranstaltung wider, bei diesen Exkursionen traten u. a. VJ Chuuu (Japan) und das Kraftwerk-Gründungsmitglied Eberhard Kranemann auf.[36]

Neben diesen auswärtigen Ausflügen gibt es regelmäßige Präsentationen in Berlin selbst. Bedeutend unter diesen sind laufende monatliche Vorträge von Klaus W. Eisenlohr. Charakteristisch bei diesen Vorführungen sind Diskussionsrunden mit den Filmemachern und dem Publikum nach den Filmvorführungen, die meisten davon finden im „Z-inema“ der Z-Bar statt, die zahlreiche und vielfältige kulturelle Veranstaltungen präsentiert.[37] Eisenlohr kuratiert auch eine spezielle fortlaufende Reihe von Vorführungen mit dem Titel „Urban Research“, die regelmäßig im Rahmen des im Februar stattfindenden Festivals präsentiert wird.

Der Schwerpunkt der Directors-Lounge-Veranstaltungen bleibt weitgehend zeitgenössischer Experimentalfilm sowie eine innovative Neukonzeptualisierung der Art und Weise der Vorführungen, im Jahr 2015 präsentierte die Plattform erstmals „DL à la carte“, ein Konzept für eine lokalisierte, aber dennoch asynchrone Auswahl-Präsentation des Filmfestivals in Zusammenarbeit mit shoutr labs (Berlin). Für diese war es das erste solche Unternehmens dieser Art (Berliner Liste Messe für zeitgenössische Kunst, September 2015).[38]

Die Directors Lounge ist trotz der parallelen Zeitrahmen der im Februar stattfindenden Veranstaltung in keiner Weise mit den Internationalen Filmfestspielen Berlin verbunden; auch ist es nicht zu verwechseln mit der später gegründeten deutschen Organisation mit dem Namen Regielounge, dessen Name in der englischen Übersetzung unterschiedlich als „Director’s Lounge“ oder „Directors Lounge“ erscheint.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Directors Lounge: An Introduction
  2. [1]
  3. a b vgl. directorslounge.net
  4. Berliner Filmfestivals, „Experimente in der Lounge“
  5. DL9 Presse-Infoblatt (PDF-Datei, S. 3, englisch; 103,1 kB)
  6. DL Deep Feature "Knocked for a Loop" (englisch)
  7. Web Events, „Vladimir Hirsch in Berlin“ (englisch)
  8. Directors Lounge, Feb. 12, 2012, „Parasiten der Nacht“
  9. Zonize „The Groovy Dada Lounge Revisited“, 8. Februar 2013 (englisch)
  10. ExBerliner: „Lounging Directors“, 11. Februar 2014 (englisch)
  11. Sugarhigh: „Screen Dreams“, 14. Februar 2014 (englisch)
  12. vgl. cogcollective.co.uk (Memento des Originals vom 12. August 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cogcollective.co.uk
  13. Netzspannung.org (englisch)
  14. PlaceboKatz, "Slow Space at TIE," October 11, 2006 (englisch)
  15. The St. Petersburg Times, “Directors on the Neva” (englisch)
  16. Directors Lounge, "Une Nuit Blanche dans le 11e," 30. September, 2011 (englisch)
  17. Contemporary Art Ruhr (Memento des Originals vom 21. September 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.contemporaryartruhr.de (englisch)
  18. Banater Zeitung, "Film ab für Kurzfilme," May 2, 2011
  19. PlaceboKatz, “Get in Touch with Directors Lounge during the Art Basel Miami Beach” (englisch)
  20. “Directors Lounge @ Experiments in Cinema” (englisch)
  21. Ìsola del Cinema, Cinelab Groupama (italienisch).
  22. Ìsola del Cinema@1@2Vorlage:Toter Link/www.isoladelcinema.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (italienisch)
  23. Zaha Museum,
  24. Art Connect Berlin, "Directors Lounge at Gallery On, Seoul" (englisch)
  25. MuseumsQuartier Wien, "Filmscreenings André Werner (GER): Grußkarten aus der Wirklichkeit"
  26. Goethe-Institut, Porto Alegre: Veranstaltungen
  27. Urban Research on Film: Coaty
  28. "München · Erinnerung rollt durch die Stadt" Münchner Wochenanzeiger vom 28. August 2007
  29. PlaceboKatz, “Impressions from Tease Art Fair”
  30. Pagewizz, „C.A.R.-Kunstmesse auf Zeche Zollverein 28. bis 30. Oktober 2011“
  31. Japan-Düsseldorf, „Experimentalfilme zum Thema Japan“, 10. Oktober 2011 (Memento des Originals vom 21. September 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/tokyo-duesseldorf.de
  32. Japan Access (Memento des Originals vom 21. September 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.japan-access.de
  33. Japan-Tag, Düsseldorf/NRW, 2013
  34. Japan-Tag, Düsseldorf/NRW, "BLACK BOX – Kino im Filmmuseum", 2014
  35. Motorenhalle, Projektzentrum für zeitgenössische Kunst
  36. Perisphere, “Directors Lounge in der Black Box”
  37. Z-Bar, Künstler und Partner
  38. Art Connect Berlin, "'Directors Lounge à la carte' at Berliner Liste 2015" (englisch)