Peter Grebe

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Peter Grebe (* 24. April 1896 in Thieringhausen bei Olpe; † 20. März 1962) war ein katholischer Geistlicher und NS-Justizopfer.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Grebe wurde am 24. April 1896 als Sohn eines Landwirts in der Ortschaft Thieringhausen, die heute zur Stadt Olpe gehört, geboren, nach seiner Schulzeit nahm er direkt am Ersten Weltkrieg teil. Er wurde Reserve-Offizier und erhielt das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse, nach Kriegsende beteiligte er sich als Freikorpskämpfer in Berlin am Kampf gegen den Spartakistenaufstand.

1919 kehrte er nach Thieringhausen zurück. Im selben Jahr erwarb er das Reifezeugnis in Attendorn, von 1920 bis 1925 studierte er Theologie in Paderborn und Tübingen. Hier trat er der katholischen Studentenverbindung W.K.St.V. Unitas Markomannia bei.[2] Am 28. März 1925 wurde er in Paderborn durch Bischof Caspar Klein zum Priester geweiht, er kam dann als Kooperator an die Propsteikirche Bochum. Schon 1931 begann sein Widerstandskampf gegen Adolf Hitler, die Darstellung von Jochen Krause, Peter Grebe sei persönlich nach Braunau gereist, um in den dortigen Kirchenbüchern gesicherte Informationen zur Familiengeschichte Hitlers zu bekommen, ist nicht haltbar. Nach Grebes eigener Schilderung reiste ein Vikar für diese Recherchen dorthin,[3] die zerrütteten Familienverhältnisse verkündete Grebe von der Kanzel.[4] Politisch betätigte er sich in der Zentrumspartei bis zu deren Auflösung 1933, am 1. April 1933 wurde er Vikar an der Propsteikirche in Bochum.

1935 erhielt er ein Schreib-, Predigt- und Unterrichtsverbot.

Am 14. Mai 1936 wurde er Vikar und am 12. April 1937 Pfarrverweser in Kampen, am 18. Oktober 1938 kam er als Vikar an die St.-Nicolai-Kirche in Lippstadt, wo er bis zum 3. August 1942 blieb.

Am 8. Oktober 1942 wurde er in Lippstadt durch die 17-jährige Inge Deutsch denunziert und daraufhin im Februar 1943 durch die Gestapo in Dortmund-Hörde vernommen. Inge Deutsch war die Tochter des verstorbenen Chefarztes des katholischen Krankenhauses in Lippstadt, sie hatte ein Gespräch Peter Grebes mit ihrer Mutter, Maria Deutsch, mitgehört.[5] Zur Last gelegt wurden Grebe folgende Äußerungen: „1, der Krieg ist eine Auswirkung der menschlichen Bosheit. 2. Gott macht die Geschichte. 3. Wenn man einsieht, daß man den Krieg nicht gewinnen kann, soll man rechtzeitig Schluß machen, von der Bühne verschwinden und nicht erst so viele Menschen opfern. 4. Diesen Krieg haben verursacht die Partei, der Militarismus und ein großer Teil der Industriellen.“[6] Ihm wurde eine Geldbuße von 500 RM auferlegt.

Im Mai/Juni 1943 erfolgten Denunziationen durch Oswald Dormann aus Elben und Wilhelm Kruse aus Gerlingen. Dormann war im Winter zum Hamstern bei Grebes Bruder in Thieringhausen gewesen. Dabei kam es zu einem Gespräch über die Niederlage von Stalingrad; in dem Gespräch äußerte sich Peter Grebe, dass dies der erste große Nackenschlag, den wir bekommen haben sei und dass andere folgen würden. Außerdem äußerte er, dass wenn Brüning noch an der Regierung wäre, es keinen Krieg gegeben hätte und dem Deutschen Volk das Leid und Elend erspart geblieben wäre; die deutschen Städte wären dann kein Trümmerhaufen.[7]

Am 3. August 1943 wurde er an St. Georg, Gelsenkirchen, versetzt, trat die Stelle aber nicht an. Daraufhin wurde er am 5. September 1943 als Pfarrer der Pfarr- und Wallfahrtskirche Kohlhagen versetzt.

Im September 1943 erhielt er eine Vorladung der Gestapo Siegen, am 15. Oktober 1943 erfolgte seine Festnahme durch die Gestapo Dortmund; in Dortmund war er in Einzelhaft bis zu seinem Transport nach Berlin am 14. November 1944, am 16. November 1944 wurde er mit 22 weiteren Todeskandidaten vom Volksgerichtshof zum Tode und dauerndem Ehrverlust verurteilt und in das Zuchthaus Brandenburg abtransportiert; in der Urteilsbegründung heißt es, Peter Grebe habe in Ausübung seines geistlichen Berufes durch entmutigende und zersetzende Äußerungen die Wehrkraft deutscher Volksgenossen zu lähmen gesucht und damit den Feinden Beistand geleistet.[8]

Am 25. März 1945 erhielt er durch Bischof Wienken die Mitteilung seiner Begnadigung und der Umwandlung seiner Strafe in zehn Jahre Zuchthaus, am 27. April 1945 wurde er durch russische Frontsoldaten befreit und kehrte am 29. Juli in seine Pfarrei Kohlhagen zurück.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Pauly: Vor 40 Jahren vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt: Pfarrer Peter Grebe, ein Opfer des Unrechts im NS-Staat. In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 55. 1984, S. 174–187
  • Jochen Krause: Vor 100 Jahren in Thieringhausen geboren: der Priester und Widerstandskämpfer Peter Grebe. In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe 184. 1996, S. 203–206
  • Günther Becker und Martin Vormberg: Kirchhundem – Geschichte des Amtes und der Gemeinde. Kirchhundem 1994. Darin Kapitel: Politische Verfolgung und Euthanasie. S. 366ff.
  • Ulrich Wagner: Leidensweg Paderborner Priester in der NS-Zeit. In: Der Dom 5 (1983), S. 1ff.
  • Michael Senger: Glaubenstreue und Persönlicher Mut. Priester und Laien im Abwehrkampf gegen den Nationalsozialismus. In: Das Hakenkreuz im Sauerland. Schmallenberg-Holthausen 1988. S. 187ff
  • Peter Bürger: Sauerländische Lebenszeugen. Friedensarbeiter, Antifaschisten und Märtyrer des kurkölnischen Sauerlandes. Zweiter Band. 2018. Darin: Dem Schafott entronnen. Selbstzeugnis eines wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilten Priesters, von Peter Grebe (1896-1962). Sn. 289 - 320.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Thiel (Hrsg.): 500 Jahre Wallfahrtskirche Kohlhagen. Beiträge zur Geschichte und Gegenwart. Kohlhagen 1990. S. 281f.
  2. Wolfgang Burr (Hrsg.): Unitas-Handbuch. Band 2. Verlag Franz Schmitt, Siegburg 1996, S. 270.
  3. Peter Grebe: Dem Schafott entronnen. In: Sauerländische Lebenszeugen. Zweiter Band. Sn. 289 - 320.
  4. Jochen Krause: Menschen der Heimat. Teil 1. Olpe 1987. S. 176
  5. Bernhard Pauly: Vor 40 Jahren vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Pfarrer Peter Grebe - ein Opfer des Unrechts im NS-Staat. In: Heimatstimmen aus dem Kreis Olpe. 137. Folge, 1984 Nr. 4 S. 174ff.
  6. Günther Becker und Martin Vormberg: Kirchhundem - Geschichte des Amtes und der Gemeinde. Kirchhundem 1994, S. 368
  7. Gemeindearchiv Kirchhundem, Amt Kirchhundem, Teil 2 Nr. 38. Aussage Peter Grebes vom 18. Dezember 1945 im Entschädigungsverfahren.
  8. Günther Becker und Martin Vormberg: Kirchhundem - Geschichte des Amtes und der Gemeinde. Kirchhundem 1994, S. 369