Welschen Ennest

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Welschen Ennest
Gemeinde Kirchhundem
Koordinaten: 51° 2′ 34″ N, 8° 0′ 12″ O
Höhe: 408 m
Einwohner: 1591 (31. Dez. 2013)
Postleitzahl: 57399
Vorwahl: 02764
Ortsmitte von Welschen Ennest, fotografiert aus Richtung Am Wolfshorn
Ortsmitte von Welschen Ennest, fotografiert aus Richtung Am Wolfshorn

Welschen Ennest [ˌvɛl.ʃn̩ ˈɛn.ɛst] ist ein Dorf im Westen der Gemeinde Kirchhundem. Die Ortschaft liegt im Kreis Olpe, der dem nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Arnsberg angehört. Zum 31. Dezember 2013 hatte der Ort 1591 Einwohner.[1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in 410 m Höhe in einem Talkessel am Rande des Rothaarkammes am Oberlauf des Rahrbach zwischen den Bergen Wolfhadt (626 m) im Nordwesten und Wolfshorn (642 m) im Osten. Während in den unbebauten Tallagen Grünlandwirtschaft betrieben wird, sind die Höhenlagen überwiegend von Weihnachtsbaumkulturen und Fichtenhochwald bedeckt. Durch Welschen Ennest fließt der Rahrbach, er entwässert über Olpebach, Hundem und Lenne zur Ruhr.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächstgelegenen Orte sind Rahrbach, etwa ein Kilometer westlich gelegen, und Benolpe etwa zwei Kilometer östlich.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jährlichen Niederschlagsmengen schwanken im Jahresmittel zwischen 900 mm und 1300 mm, während die durchschnittlichen Temperatur im Winter um 0 °C und im Sommer um 20 °C liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde Welschen Ennest im Jahr 1334 erwähnt, das Dorf ist mit ungefähr 1600 Einwohnern das zweitgrößte Dorf in der Gemeinde Kirchhundem nach dem Hauptort Kirchhundem.

Frühe Anhaltspunkte über die Größe des Ortes ergeben sich aus einem Schatzungsregister (diente der Erhebung von Steuern) für das Jahr 1543. Demnach gab es in „Welschen Endest“ 35 Schatzungspflichtige (die höchsten Abgaben entfielen auf Valentin Aßwiter, Hanß Heißkotter, Henrich Schwermmer und Henßgen im Wolfshorn)[2]; diese Zahl könnte mit den damals vorhandenen Höfen bzw. Häusern übereingestimmt haben.

Kulturgeschichte der Region[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gelände existieren zahlreiche sichtbaren Spuren, dass an dieser Stelle alter Bergbau betrieben worden ist. Bewiesen ist bis heute allerdings noch nichts, zudem finden sich auch an der B 517 zahlreiche alte Gruben.[3] Kulturell liegt der westniederdeutsch sprechende Ort an der Uerdinger und der Benrather Linie, die hier gemeinsam die Sprachgrenze zum Siegerland bilden.

Frühe Industriegeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Welschen Ennest und Kirchveischede verläuft in den Wäldern noch ein Teil der in dieser Gegend so genannten Bergstraße, an dieser Straße, die von Siegen kommend nach Arnsberg führt, wurde im Mittelalter und möglicherweise auch bereits in frühgeschichtlicher Zeit, die für die Roheisenerzeugung benötigte Holzkohle in den entsprechenden Meilern gewonnen. Außerdem zeigen Überreste von Rennfeueröfen Spuren früher Eisenerzeugung.

Ab dem 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert wurden Tabakwaren produziert, bis ca. 1967 stand in Welschen Ennest noch eine Zigarrenfabrik. Außerdem siedelten sich Kaffeeröstereien an, die letzte Kaffeerösterei hat um 1998 geschlossen.

Der Rahrbacher Tunnel, der direkt an den Welschen Ennester Bahnhof anknüpft, wurde im Zweiten Weltkrieg mehrfach zum Ziel von Bombenangriffen, diese blieben allerdings erfolglos.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswert ist der alte Ortskern um die Kirche und Marienbrunnen, der an der Stelle er 1906 abgerissenen Ortskapelle steht.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die St. Johannes-Baptist-Kirche wurde um 1903 fertiggestellt und ersetzte die alte Kapelle in der Ortsmitte.

Es sind Überreste einer Seilbahn von Silberg nach Welschen Ennest erhalten, die zum Abtransport von Erzen diente, sie war an den Bahnhof Welschen Ennest angeschlossen und hat für eine große Güterabfertigung am Bahnhof Welschen Ennest gesorgt.

In den nahe gelegenen Wäldern lassen sich an verschiedenen Stellen Grenzsteine aus vergangenen Jahrhunderten finden, das Dorf liegt an der Schnittstelle zwischen Kurköln und Nassau, an der Grenze zwischen Sauer- und Siegerland. Noch heute sind Reste des Grenzwalls am Ortsrand erhalten, den die Nassau-Siegener Grafen um 1420 anlegten. Nicht erst zur Zeit der Reformation führte die Grenze immer wieder zu Konflikten, aus der Zeit um 1690 stammen die Grenzsteine zwischen Kurköln und Nassau, die bis heute erhalten sind.

Eines der bedeutendsten Bauwerke aus der Neuzeit ist die Fußgängerbrücke über die Bahnlinie aus den 1950er- oder 1960er-Jahren, sie ist wegen ihrer Bogenform außergewöhnlich.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine alte Linde, an der angeblich schon im Mittelalter Gerichtsurteile vollstreckt wurden.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • TTC Welschen Ennest
  • SV Rahrbachtal
  • SGV Welschen Ennest
  • Modellflug

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich wird eine Karnevalsveranstaltung von örtlichen Vereinen organisiert. Ostern wird, wie in dieser Region üblich, ein Osterfeuer angezündet.

Am zweiten Wochenende im Juli wird in jedem Jahr das Schützenfest gefeiert, das Straßenbild wird dann drei Tage lang von den Schützen geprägt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ortsausgang Richtung Rahrbach liegt eines der beiden großen Gewerbegebiete der Gemeinde Kirchhundem. Neben vielen anderen Betrieben ist hier mit der Großbäckerei Hesse der größte Arbeitgeber des Ortes angesiedelt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Welschen Ennest liegt an der B 517 und der L 711. Die Ruhr-Sieg-Strecke KBS 440 der Deutschen Bahn führt durch Welschen Ennest, der Rahrbacher Tunnel (698 m) unterquert einen rund 500 m hohen Höhenrücken und die damit verbundene Wasserscheide zwischen Lenne und Sieg. Heute halten sowohl der Ruhr-Sieg-Express, als auch die Ruhr-Sieg-Bahn in Welschen Ennest. Damit ist der Ort auch umsteigefrei aus dem Ruhrgebiet erreichbar.

Bahnhof Welschen Ennest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsgebäude bis 2008

Welschen Ennest war zu Beginn der Inbetriebnahme des letzten Abschnittes der Ruhr-Sieg-Strecke am 6. August 1861 eine Haltestelle. Gegen 1910 wurde sie zu einer mittelgroßen Bahnhofsanlage ausgebaut.

Der früher einmal weitgehend überdachte Mittelbahnsteig musste wegen seiner Baufälligkeit durch einen DB Plus-Punkt ersetzt werden.

Die Bahnhofsanlage sollte in Abhängigkeit von dem Ausgang eines Rechtsstreits zwischen der Gemeinde und der beteiligten Stellen der Deutschen Bahn bzw. des Eisenbahnbundesamtes im Rahmen einer Modernisierungsoffensive vom Land NRW erneuert werden. Nach der Beendigung des Rechtsstreits wurden zwei neue Außenbahnsteige angelegt und der alte Mittelbahnsteig stillgelegt, die Personenunterführung sowie das alte Stellwerk wurden mittlerweile beseitigt. Außerdem wurde der Bahnübergang um einen weiteren Fußgängerüberweg erweitert.

Das Bahnhofsgebäude wurde in den Jahren 2008 bis 2010 durch einen privaten Investor saniert.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kinder aus Welschen Ennest und den kleineren umliegenden Orten können zunächst den katholischen Kindergarten oder das Montessori-Kinderhaus und später die katholische Grundschule St. Johannes besuchen. Weiterführende Schulen befinden sich in Kirchhundem und den Nachbarkommunen Lennestadt, Olpe und Siegen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auguste Liese: Welschen Ennest und seine Geschichte. Ein Heimatbuch. Selbstverlag der Gemeinde Rahrbach. 1929.
  • Skizzen aus Welschen Ennest. Festschrift zum 75-jährigen Bestehen Schützenverein Welschen Ennest e.V. O.O.u.J. (1983).
  • Freiwillige Feuerwehr Welschen Ennest 75 Jahre 1926 - 2001. O.O.u.J. (2001).
  • Pfarrbrief zum 100jährigen Bestehen der Pfarrei Sankt Johannes Baptist, Welschen Ennest. O.O.u.J. (2002).
  • Die neue Orgel in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist Welschen Ennest. Lennestadt o. J. (2002).
  • Reisen Sauerland Siegerland von Falk S. 51,
  • Der Bergbau und Hüttenbetrieb der Lahn-, Dill- und benachbarten Reviere. (Nassau) 1893

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinde Kirchhundem: Orte, abgerufen am 13. Januar 2015
  2. Schatzungsregister 1543 für das kurkölnische Sauerland (Internetdatei) Archivlink (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heimatverein-finnentrop.de PDF S. 36, 37
  3. Vgl. Homepage des Stahlbergmuseums, Der Bergbau und Hüttenbetrieb der Lahn-, Dill- und benachbarten Reviere (Nassau) 1893