Wilhelm Bäumer (Geistlicher)

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Wilhelm Bäumer (* 17. November 1783 in Halver; † 13. Mai 1848 in Arnsberg) war ein protestantischer Theologe der reformierten Kirche und preußischer Konsistorialrat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bäumer stammte aus einer Pfarrerfamilie der Grafschaft Mark, seine Eltern waren der Pfarrer Johann Peter Bäumer (1753–1833) und Maria Agnes Engels (1758–1825). Er besuchte die Volksschule in Lünen und anschließend die Gymnasien in Dortmund und Hamm; in Frankfurt an der Oder studierte er Theologie. Danach war er zunächst Hauslehrer beim Freiherren von Plettenberg auf Haus Heeren, eher er 1808 eine Pfarrerstelle in Fröndenberg übernahm. Im Jahr 1809 heiratete er Elenora Engels (1782–1849), mit dieser hatte er mehrere Kinder. Seine Urenkelin wurde später die Frauenrechtlerin und Politikerin Gertrud Bäumer (1873–1954).

Ab 1813 war Bäumer Pfarrer in Bodelschwingh; in den folgenden Jahren war Bäumer in kirchenleitenden Funktionen tätig. Zwischen 1827 und 1830 war er Superintendent in Dortmund. Außerdem war er zwischen 1821 und 1824 sowie 1829 und 1831 Präses der märkischen Gesamtsynode. Ab 1832 war er Konsistorialrat bei der Bezirksregierung in Arnsberg, als solcher war er maßgeblich an der Gründung des rheinisch-westfälischen Predigerseminars in Soest beteiligt.

Bäumer stand in brieflicher Verbindung mit Theologen wie Krug, Natrop, Schleiermacher oder Tzschirner, auch mit Karl Freiherr vom Stein hat er korrespondiert. Während Bäumer als Theologe kaum von größerer Bedeutung war, spielte er kirchenpolitisch eine wichtige Rolle. Bäumer war Sprecher der reformierten Gemeinden der Grafschaft Mark.

Er versuchte deren presbyterial-synodalen Strukturen gegen die summepiskopalen Pläne von König Friedrich Wilhelm III. zu bewahren. Er stimmte zwar der Union der lutherischen und reformierten Gemeinden zu, setzte aber auf der ersten Synode der Grafschaft Mark von 1817 den Vorbehalt durch, wonach ein Zusammenschluss nur bei Garantie des Fortbestandes des presbyterial-synodalen Verfassungsprinzips gelten sollte.

Auf der ersten westfälischen Provinzialsynode in Lippstadt von 1819 und in der Folge war er maßgeblich daran beteiligt, gegen den anfänglichen Widerstand des Staates als Kompromiss die Rheinisch-Westfälische Kirchenordnung von 1835 durchzusetzen. Neben theologischen Begründungen griff er auch auf Elemente des zeitgenössischen politischen Verfassungsdiskurses zurück.

Zwar gelangen Bäumer und der westdeutschen Kirche gewisse Erfolge, sie scheiterten aber letztlich nicht nur an Friedrich Wilhelms III., sondern insgesamt am monarchischen Prinzip im Deutschen Bund. Eine sich selbst verwaltende Kirche wurde vom Staat als Weg hin auch zum politischen Konstitutionalismus abgelehnt.

Bäumer ist auf dem Eichholzfriedhof in Arnsberg begraben.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Geck: Wilhelm Bäumers Veröffentlichungen zur Kirchenverfassungsfrage (1808–1823). in: Jürgen Kampmann (Hrsg.): Aus dem Lande der Synoden. Festschrift Wilhelm Heinrich Neuser zum 70. Geburtstag, Lübbecke 1996, 54–111.
  • Albrecht Geck: Kirchliche Selbständigkeitsbewegung in Preußen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte. 90 (1996), 95–119.
  • Albrecht Geck: Wilhelm Bäumers Anteil an den Lippstädter Beschlüssen von 1819. Ein Beitrag zum Verständnis eines seltenen Dokuments in der Bibliothek des Instituts für kirchliche Zeitgeschichte des Kirchenkreises Recklinghausen. In: Günter Brakelmann, Peter Burkowski (Hrsg.): Auf den Spuren kirchlicher Zeitgeschichte. Festschrift für Helmut Geck zum 75. Geburtstag. Recklinghäuser Forum zur Geschichte von Kirchenkreisen 3, Münster (LIT-Verlag) 2010, 351–381.
  • Albrecht Geck: Bäumer, Wilhelm. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 14, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5, Sp. 738–743.